Zwetschgen und Pflaumen gehören zum Steinobst und sind damit eng mit den übrigen Familienmitgliedern Mirabelle und Reneklode verwandt. Es gibt sie in allen denkbaren Varianten von kugelrund bis eiförmig, von gelb, rot über blau bis hin zu schwarz-violett. Die größten deutschen Anbaugebiete befinden sich in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen sowie Bayern. Doch der Anbau wird bundesweit betrieben, so dass sich auch die Bewohner aller anderen Bundesländer über regionale Früchte freuen können!
Langer Angebotszeitraum
In Deutschland ist die Pflaumen- und Zwetschgensaison dank unterschiedlicher Sorten und verschiedener klimatischer Bedingungen in den Anbaugebieten sehr lang: Über einen Zeitraum von 15 Wochen sind die blauen Früchte auf dem Markt. So wird beispielsweise in einem frühen Anbaugebiet wie Baden bereits im Juli geerntet; handelt es sich dann noch um eine Frühsorte wie zum Beispiel Ruth Gerstetter, hängen bereits Anfang Juli die ersten Pflaumen am Baum. Die Saison reicht bis in den Herbst hinein – Spätsorten wie Presenta sind erst Anfang Oktober pflück- und genussreif.
Große Sortenvielfalt
Hauszwetschge:
Die Hauszwetschge ist eine sehr alte Sorte, die vermutlich aus Asien stammt. Sie soll bereits bei den Römern bekannt gewesen sein. Heute ist sie die in Deutschland am häufigsten angebaute Varietät. Ihr Äußeres ist blaurot bis blauschwarz mit feinen hellen Punkten. Das Fruchtfleisch zeichnet sich durch eine orangegelbe Farbe aus, ist eher fest – sogar beim Kochen – und äußerst saftig. Sie schmeckt süß-säuerlich, dabei leicht herb und kräftig aromatisch. Ihre Reifephase fällt in die Zeit von Anfang September bis Anfang Oktober.
Cacaks Schöne, Cacaks Fruchtbare, Cacaks Beste:
Der Name Cacak stammt von der gleichnamigen, jugoslawischen Forschungsstation ab, wo diese Sorten 1961 durch Kreuzung entstanden. In Deutschland werden sie seit Anfang der 80er Jahre angebaut. Diese großen und saftigen Früchte sind die perfekten Tafelzwetschgen. Sie finden aber auch beim Backen Verwendung, denn ihr gelbgrünes Fruchtfleisch lässt sich sehr gut vom Stein lösen. Die Haut ist dunkelblau und weist eine starke Wachsschicht auf.
Die für ihren starken Duft typische Cacaks Schöne ist von Ende Juli bis Ende August erhältlich. Cacaks Fruchtbare hingegen reift eher mittelspät bis spät. Cacaks Beste, die zwischen der bekannten Hauszwetschge sowie Wangenheim gekreuzt wurde, ist ab Ende August genussreif.
Auerbacher:
Diese mittelspät reifende Sorte ist aufgrund ihrer hervorragenden Backeigenschaften als Kuchenbelag sehr beliebt. Sie wurde um 1875 in Auerbach an der Bergstraße entdeckt und 1900 erstmals in der Literatur genannt. In den 60er Jahren wurden sie in Rheinhessen und der Pfalz verstärkt angebaut. Ihre dunkelblauen Früchte sind eiförmig und mit einem Durchmesser von 30 bis 36 Millimeter mittelgroß. Sie hat eine starke Wachsschicht. Das goldgelbe Fruchtfleisch besitzt ein harmonisches und süß-säuerliches Aroma. Die gut steinlösliche Auerbacher ist von Ende August bis Anfang September erhältlich.
Hanita:
Diese deutsche Züchtung ist eine der meist gepflanzten neuen Sorten. Sie gedeiht auch in kühleren Lagen. 1980 gezüchtet besitzt sie seit 1997 Sortenschutz. Ihre Reifezeit von Mitte Juli bis Mitte August fällt zwischen die mittelfrühen und späten Sorten. Das Fruchtfleisch ist bei Vollreife goldgelb, saftig und von mittlerer Festigkeit. Der Geschmack der als ausgeprägt aromatisch geltenden Sorte wird durch eine feine Säure ergänzt. Gleichzeitig besitzt sie einen hohen Zuckergehalt. Hanita ist die perfekte Tafelzwetschge und eignet sich für die Herstellung von Marmelade oder der Saftzubereitung.
Bühler Zwetschge:
Die Bühler Zwetschge (korrekter Sortenname: Bühler Frühzwetschge) ist neben der Hauszwetschge eine der bekanntesten Sorten in Deutschland. Um 1840 wurde sie bei Bühl in Baden als Zufallssämling gefunden. Schnell erkannte man die hervorragenden Fruchteigenschaften. 1884 lieferten die badischen Erzeuger 100 Zentner Zwetschgen mit den ersten Eisenbahnwagen von Bühl nach Köln. Die eher kleine bis mittelgroße Frucht ist dunkelblau mit grüngelbem, mittelfestem und saftigem Fruchtfleisch. Ihr Aroma ist süß-säuerlich und angenehm würzig. Sie reift gegen Ende Juli bis Ende August.
